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In „TIP BERLIN“ ( Ausgabe vom 17.02.2011 ) erschien eine große Reportage über Hunde in Berlin. Hier ein Auszug aus dem Artikel „Freunde fürs Leben“ mit einem Bericht über Magi Minge.

„Freunde fürs Leben“ In der Single-Hauptstadt Berlin avancieren Hunde zum wichtigsten Begleiter des Menschen. Oft ersetzen sie nicht nur Kinder oder Partner, sie ernähren inzwischen auch eine ganze Branche vom Dogwalker über den Ernährungsberater bis hin zum Hundepsychologen.

Wenn Magi Minge montags vormittags mit ihren “Mäusen” raus aus der City ins Grüne nach Blankenfelde fährt, dann ist das Tohuwabohu vorprogrammiert. Denn kaum hat Magi die Tür ihres großen Wagens geöffnet, springen ihre Schützlinge auch schon nach draußen, tollen miteinander oder rennen los.

“Anna! Frieda! Zoe! Pauline! ZURÜCK!” Magi braucht kräftige Stimmbänder, um sich bei ihrer Rasselbande Gehör zu verschaffen. Dabei sind die mit den modischen Mitte-Mädchennamen Gerufenen keine verzogenen Gören, denen ohnehin schnurzpiepegal ist, was ihre Erzieherin sagt. Es sind aufgeregt hechelnde Hunde, Golden Retriever, Rhodesian Ridgebacks, Dobermänner und jede Menge Mischlinge, die von ihren Frauchen und Herrchen an den Stränden Korsikas, Portugals oder aus osteuropäischen Hunde –In – Not – Stationen gerettet wurden.

Trotzdem sind die Hundenamen verräterisch. Denn Magi Minge, die sich mit vier weiteren Kollegen zur Firma Dogwalker – Berlin zusammengeschlossen hat, holt “ihre” meist zehn bis dreizehn Hunde schwerpunktmäßig aus Mitte, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain ab. Gegenden, wo auch viele Kinder auf “Anna”, ”Frieda” oder “Zoe” hören. Und ähnlich wie die Väter und Mütter der menschlichen Annas, Friedas und Zoes treibt auch die Hundebesitzer die eine Sorge um:

Wer kümmert sich um den Anhang, wenn man selbst viele Stunden außerhäusig beschäftigt ist, weil man den Lebensunterhalt für sich und die Seinen verdienen muss?

Klar, man könnte die Vierbeiner auch einfach zu Hause warten lassen, bis man spät am Abend von der Arbeit kommt. “Die Leute müssen sich dann aber nicht wundern, wenn sie Beschwerdezettel von Nachbarn an der Tür kleben haben”, sagt Marcel Gäding vom Tierheim Berlin. “Weil den Hunden allein langweilig ist, bellen sie entweder unentwegt oder machensich mit ihren Zähnen an der Inneneinrichtung der Wohnung zu schaffen.” Dass die zurückgelassenen Vierbeiner nebenbei auch noch massive Verhaltensstörungen entwickeln können, etwa aggressiv und gefährlich werden, gehört zu den weiteren Nachteilen der tierischen Einsamkeit.

Alles unangenehme Effekte, die die Kunden und Kundinnen von „Hauptstadthund“ einem Spezialgeschäft in der Hufelandstrasse in Prenzlauer Berg, unbedingt vermeiden wollen. „Die Leute, die bei mir kaufen, kommen vorwiegend aus den anliegenden Innenstadtbezirken, besitzen entweder erstmals einen Hund oder haben sich vielleicht nach 20 Jahren Pause wieder einen angeschafft“, erzählt Christina Sieber. Die ausgebildete Fotografin und Inhaberin des Ladens hat bemerkt, dass die Neuhundebesitzer, darunter viele berufstätige Single – Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, die Tieranschaffung wie ein Projekt angehen. „Die informieren sich vorher über die verschiedenen Rassen, kaufen Bücher über Hundeerziehung oder Hundesprache und besuchen Hundeschulen.“ Derartig präpariert, wissen sie um die Eigenheiten ihrer neuer Mitbewohner – und sind meist ohne langes Zögern bereit, Service-Leistungen hinzuzukaufen, wenn sie die Bedürfnisse ihres Hundes, etwa den nach ausreichendem Auslauf, selber nicht erfüllen können.

Magi Minge, geht hauptberuflich 5 Tage die Woche mit Hunden anderer Herrchen „gassi“. Dogwalker Berlin heisst der Betrieb der diesen Service anbietet.
Foto: David von Becker

Kein Wunder, dass die Menge der in Berlin tätigen Hundeausführ-Unternehmen, aber auch die vereinzelter, nebenberuflicher Hundesitter, in den letzten Jahren schlagartig nach oben ging. So schätzt Magi Minge die Anzahl professioneller Dogwalker in Berlin auf etwa 100. Dabei ist der Beruf hierzulande noch so neu, dass er derzeit noch nicht einmal Erwähnung im deutschsprachigen Wikipedia findet. Und Stephanie Kannt von der Berliner Internetplattform www.betreut.de – hier werden neben Altenpflegern auch Baby- oder Hunde-Sitter vermittelt – hat allein für den Raum Berlin 1500 Hundebetreuer in ihrer Datenbank. Ein Bereich, so sagt sie, der seit 2008 stark angestiegen sei und der „sowohl in der Nachfrage als auch im Angebot rasanter als die anderen Bereiche, etwa Kinderbetreuung, Haushalt und Garten“ wächst. „Speziell in den deutschen Großstädten steigen die Zahlen konstant schnell.“

Doch es sind nicht nur Hundesitter oder Dogwalker, die von modernen Hundebesitzern beschäftigt werden. Auch Hunde-Tagesstätten, Hundepsychologen, Hunde-Physiotherapeuten, Hundeschulen, Hundepensionen, Hunde-Fotografen, Hunde-Ernährungsberater, Hunde-Reiseveranstalter, Dogdancing-Schulen oder Hunde-Sportvereine werden zunehmend gefragt. Und der gute alte Hundefriseur ist natürlich auch noch da. Denn nicht nur der Pudel, eine Rasse, deren Beliebtheit wieder wächst, sieht ohne Formschnitt schnell aus, wie ein ungarischer Hirtenhund, ein sogenannter Puli, der durch seinen bodenlangen Ganzkörper-Rasta-Look beeindruckt….“

Eva Apraku