Achtung WILDSCHWEINE!

Eine solche Begegnung hatte schon jeder Dogwalker bei uns im Auslaufgebiet, auch Magi  mit ihren Hunden, als ein Wildschwein (vermutlich ein Keiler) frontal auf sie und ihr Rudel zukam. Bevor einer der Hunde reagieren konnte, rannte Magi nach links, laut „Mäuse! Mäuse!“ rufend über eine Büschung hinweg auf das nächste Feld. Auf diese Weise zog sie die Aufmerksamkeit der ganzen Hundegruppe auf sich, die ihr folgte, so dass sich keiner für das Wildschwein interessierte, während dieses im Spaziergangtempo an ihnen vorüberzog.

Ein anderes Mal war es eine ganze Rotte von 10 bis 15 Wildschweinen, die neben einander über das Feld kamen…

Weniger Glück hatte hingegen unsere Kollegin Kerstin (www.dogandwalk.com), als sie mit ihren beiden Hunden (Deutsche Dogge/Rhodesian Ridgeback Mix-Rüde Lennox und Bordeauxdogge/Cane Corso Mix-Hündin Julie) gemeinsam mit ihrem Nachbar und seiner Boxerhündin zu einem privaten Spaziergang in Königs Wusterhausen aufbrach.

„Diei Hunde haben sich gegenseitig gejagt. Meistes ist Lennox der Hase und die beiden Mädels jagen ihn. So auch an diesem Tag. Bei uns ist relativ lichter Wald und die haben ihre Kreise gedreht immer ganz nah am Wanderweg. Irgendwie sind sie dann einmal vielleicht 2-3 Meter in eine kleine Schonung rein und da müssen sie über ein Wildschwein getolpert sein.
Komische Geräusche – habe sofort gerufen und sie sind auch sofort gekommen und nach ihnen kam als letztes noch das Schwein aus der Schonung, ist aber Gott sei Dank wieder abgedreht und in die Schonung zurück.
Alles geschah nur in Sekunden und wirklich nur ein paar Meter vom Wanderweg entfernt…“, sagt Kerstin.

Aber das Ergebnis dieser Sekunden-Begegnung zeigen diese Bilder:

Lennox hatte Glück und hat diese Attacke überlebt. Aber uns sind auch Fälle z.B. aus dem Hundeauslaufgebiet „Jungfernheide“ in Tegel bekannt, wo die Hunde einen solchen Angriff leider nicht überlebt haben.

 

Im Hundeauslaufgebiet „Arkenberge“ finden seit Jahren vermehrt Begegnungen mit Widschweinen statt.  Die Hundebesitzer und Besucher vom Auslaufgebiet werden durch aufgestellte Schilder ( Foto unserer Kollegin Bettina – www.gassi-und-mehr.de) von diesem Vorhaben einer Treibjagd in Kenntnis gesetzt…

 

 

 

 

DER RICHTIGE UMGANG BEI BEGEGNUNGEN MIT WILDTIEREN

Tipps zum Verhalten bei Wildkontakt mit dem Hund gibt uns nachfolgend unser befreundeter Jäger: Ingo Beinroth.

Erst einmal die gute Nachricht: Allzu große Sorgen müssen wir uns nicht machen, so lange wir ein paar Regeln einhalten. Es wird nicht passieren, dass uns oder unseren Hunden ein tollwütiger Fuchs mit dem nackten Hintern ins Gesicht springt. Ebenso ausgeschlossen ist es, dass uns ein Wolf begegnet, auch wenn in den Medien dieses Thema gerade ohne Ende aufgebauscht wird.

Es wäre da aber immer noch das Schwarzwild (Wildschweine) auf das wir den Fokus richten sollten. Selbst in unseren Gefilden kann ein Keiler bis zu 160 kg schwer werden und eine Bache (weibliches Wildschwein) verfügt über eine Beisskraft, dass sie den Oberschenkelknochen eines Menschen mal eben durchbeissen könnte. Wie alle heimischen Wildtiere ernähren sich auch Wildschweine nicht von Menschen- oder Hundefleisch. Problematisch kann es nur werden, wenn sie in die Enge getrieben werden, verletzt sind oder ihren Nachwuchs groß ziehen.

Den Keiler können wir im Prinzip fast vernachlässigen, da er von den Bachen aus der Rotte (Rudel) vertrieben wird und mit dem Nachwuchs nichts mehr am Hut hat. Gefährlich kann es jedoch werden, wenn er tagsüber von einem Hund hochgemacht wird oder wenn er verletzt ist. Durch seine Hauer und Haderer kann er Hund und Mensch tödliche Verletzungen zuführen. Die meisten Opfer verbluten ganz einfach, weil die Beinschlagader zerfetzt wurde. Wer glaubt, dass in Afrika die meisten Menschen durch Wild wie Löwen, Leoparden, Schlangen etc. zu tode kommen, der irrt. Die meisten sterben nach einem Kontakt mit einem Warzenschwein.

Sollte Dich ein hochgemachter Keiler verfolgen, dann solltest Du weglaufen und im letzten Moment zur Seite springen. Ein Keiler läuft nämlich durch und kommt i. d. R. nicht wieder. Anders sieht das bei den Bachen aus. Sie machen so lange kehrt bis sie Dich haben! Bei der Bache hilft also nur der nächste Baum. Um den Hund braucht man sich bei einer Bache nicht so die Sorgen zu machen, da sie kaum Angriffsfläche haben, um ihn zu beissen.

Beim weglaufen würde ich auf Geschrei verzichten. Das beeindruckt nun wirklich keine Sau. Im Gegenteil: Sie kann denken, dass sie Dich gerade in die Flucht schlägt und durch das Gekreische gelangt sie zu dem Eindruck, dass Du Dich noch nicht ergeben hast.

Wie können wir solche unangenehmen Begegnungen jedoch vermeiden? Im Prinzip nur durch Rücksichtnahme. Schwarzwild war ürsprünglich mal tagaktiv. Durch die zunehmende Zersiedelung der Landschaft und der Konzentration von Freizeitsportarten im Wald sind sie nun Nachtaktiv geworden. Wenn sie also am Tage, wenn sie schlafen wollen, durch unkontrolliert stöbernde Hunde hoch gemacht werden, dann finden sie das schon mal nicht Schick.

Am intensivsten bejagt werden sie in den Wintermonaten, durch Drückjagden. Da es sich dabei um eine Bewegungsjagd handelt, kann es auch mal dazu kommen, dass ein Tier krank geschossen wird. Verletzt im Unterholz versteckt sind die Tiere zu allem fähig. Drückjagden werden immer ausgeschildert und man sollte das Gebiet in dieser Zeit dann so weit es geht meiden. Dass man den Hund nicht unkontrolliert stöbern lässt, sollte selbstverständlich sein.

Die größte Gefahr ist und bleibt jedoch die Bache, die ihren Nachwuchs groß zieht. Sie verteidigen diesen vehement ohne Rücksicht auf Verluste. Die Rauschzeit (Paarungszeit) ist von Oktober bis Anfang Januar. Der Schwerpunkt liegt im November. D. h., dass sie jetzt schon ihren Nachwuchs aufziehen können, da die Tragzeit bei unter 4 Monaten liegt.

Sollte eine Bache ihren Nachwuchs komplett verlieren beginnt sofort die nächste Rauschzeit für sie. Sinn macht es immer, vorzeitig die Augen aufzuhalten, um zu erkennen, wo sich das Schwarzwild gerne aufhält. Anzeichen können Spuren im Schnee sein, vielmehr jedoch noch Stellen, wo sie alles umgegraben haben.

Bevorzugt halten sie sich am Waldrand zu angrenzenden Maisfeldern auf. Sollte man ihre Anwesendheit so entdeckt haben, dann sollte man in solchen Gegenden den Hund nur am Riemen, Schlepp oder Freifolge führen. Wer ein gutes Ohr hat, kann auch dieses einsetzen. Wenn gequiekt wird, dann verständigen sie sich gerade innerhalb der Rotte. Wenn alles still ist und man eine Art blasen hört, dann steht der Angriff kurz bevor.

Da es nie eine 100 %-ige Sicherheit für den Hund geben wird, möchte ich an dieser Stelle noch auf ein gerne vernachlässigtest Thema hinweisen, welches gerne übersehen wird: Die 1. Hilfe für den Hund.

Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass wir, wenn dem Hund was passiert, nicht mal eben die 112 wählen können und ein paar Minuten später ist Hilfe vor Ort! Stellt Euch bitte einfach mal vor, Euer Hund bricht auf der gewöhnlichen Runde im Wald zusammen. Was würdet ihr dann tun? Wen ruft ihr an? Könnt ihr Euren Hund tragen? Wie kommt er zum TA? Was ist, wenn der nicht da ist? Wie stoppt ihr vorläufig eine Blutung? Wie reanimiert man einen Hund? Was tun bei Brüchen?…

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