Umgang mit einem kranken Hund

Tipps zum Umgang mit einem bewegungseingeschränkten Hund

„Er muss sich schonen und erholen“, sagt der Tierarzt – Ihr Hund ist aber anderer Meinung… Früher oder später wird jeder Hundehalter die Aussage von seinem Tierarzt bekommen: “ Toben, spielen, rennen und ausgiebige Spaziergänge sind für die nächste Zeit TABU!“

Egal, wodurch diese Aussage begründet ist, ob es sich um eine Unfallfolge, Krankheit oder nur um ein verknacktes Bein handelt, weil der Hund sich vertreten hat und humpelt… Er wird körperlich und psychisch unter der Umsetzung dieser tierärztlichen Verordnung leiden – und Sie mit ihm!

Der Hund kennt leider nicht immer seine Grenzen und weiß nicht, was am besten für ihn ist. Nun ist Ihre Kreativität und Ihr Durchsetzungsvermögen gefragt. Denn es ist für beide Parteien nicht befriedigend, wenn Sie Ihren Hund wieder und wieder zum „Still-Liegen“ auf seinen Platz verweisen, er aber immer wieder aufsteht, weil er nicht ausgelastet ist und außerdem Langeweile hat.

Bedenken Sie, dass eine Bewegungseinschränkung über einige „wenige“ Tage nicht weiter dramatisch ist, diese aber über einen längeren Zeitraum im schlimmsten Fall zu Muskelschwund führen kann!

Wird es jedoch vom Tierarzt ausdrücklich gefordert, dass sich der Hund so gut wie gar nicht bewegen soll, dann sprechen Sie mit ihm über entspannungsfördernde Massagen und spezielle Übungen für Muskel und Gelenke!

Ansonsten überlegen Sie sich, was Ihrem Hund Freude bereitet, um ihn nicht zu sehr körperlich zu belasten, aber dennoch geistig zu fördern und auszulasten.

Schenken Sie ihm mehr Aufmerksamkeit als sonst üblich, sprechen ihn öfter an und lassen ihn bewusst und aktiv an Ihrem Alltagsleben teilnehmen. Beispiel: „Komm! Wir machen jetzt die Wäsche.“ Er darf und muss sich einige Meter bewegen, muss Ihnen folgen, sich dann ablegen und zusehen, was Sie machen. In diesem Fall, wie Sie die Wäsche aus der Maschine holen und diese anschließend aufhängen. Dann darf er Sie in die Küche begleiten, kann sich wieder ablegen und Ihnen beim Kochen zusehen…

Auf keinen Fall dürfen Sie den Hund mitnehmen, wenn Sie die Wäsche aus dem Waschkeller holen müssen und er sich z.B. mit einem Gipsbein die Treppe hinter Ihnen her runter quälen muss!

Wenn möglich, lassen Sie ihn in diesem Fall am Treppenansatz „Platz“ machen, so beteiligen Sie ihn trotzdem an Ihren Aktivitäten, so dass er in der Zwischenzeit nicht regungslos in seinem Körbchen verweilen muss und bauen dennoch zwischendurch noch eine Gehorsamsübung mit ein.

Es wird Ihnen komisch vorkommen, aber Ihre Aufmerksamkeit und Ansprache, wird nicht nur durch die kleinen Gehorsamsübungen, die Sie zwischendurch und nebenbei einfordern, Ihre Bindung stärken, sondern ihm auch helfen mit der vorübergehenden Einschränkung zu recht zu kommen.

Versuchen Sie auf den kurzen Wegen, die Sie mit Ihrem Hund in der Wohnung zurücklegen, einfache Suchspiele einzubauen, die sich später ausbauen lassen, indem Sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Bringen Sie ihm neue Tricks bei, aber egal, was Sie tun, belohnen Sie den Hund bitte NICHT mit Futter! Schließlich soll er in dieser Phase der körperlichen Einschränkung nicht noch zusätzlich Übergewicht bekommen!!!

Lassen Sie sich bitte zum Thema Futtergewohnheiten von Ihrem Tierarzt beraten, da ein inaktiver Hund weniger Energiezufuhr über das Futter benötigt, als im „Normalzustand“. In manchen Fällen ist es ratsam die Futtermenge zu reduzieren, in anderen Fällen wiederum auf Lightfutter umzusteigen oder, oder, oder….

Für die Genesung Ihres Lieblings spielen aber auch andere wichtige Faktoren eine Rolle: Haben Sie einen reizempfindlichen Hund, der z.B. auf jedes Geräusch reagiert? Leben Sie in einem Turbulenten Haushalt mit Kindern, mehreren Hunden oder oder anderen Haustieren zusammen? So ist es ratsam den Hund keinem Stress auszusetzen!

Sie müssen darauf achten, dass der Hund von den anderen „Familienmitgliedern“ weitgehend in Ruhe gelassen wird, um sich erholen zu können. Er darf keinem Mobbing ausgesetzt werden!

Wir erleben es zwar oft unter unseren domestizierten und meist sehr sozialisierten Hunden in einem Mehr-Hund-Haushalt, dass es sehr verständnisvolle Hunde gibt, die ihren Kumpel trösten und beschützen wollen, aber ebenso viele Hunde geben in dieser Situation ihrem Urinstinkt nach und versuchen ein schwaches und krankes Tier aus dem Rudel auszugrenzen, die Situation zu ihrem eigenem Vorteil auszunutzen, um z.B. in ihrer Rangordnung aufzusteigen…

Sollten Sie mehrere Hunde haben, ist es in solchen Krankheitsfällen manchmal von Vorteil, um einer Eskalation vorzubeugen, dem eingeschränkten Hund einen eigenen separaten Raum zur Verfügung zu stellen, in den er sich zurückziehen und stressfrei gesund werden kann!

Sie kennen Ihren Hund am besten! Beobachten Sie ihn und entscheiden Sie, wann er eine Auszeit braucht.