Der Hund in der Geschichte

Der Hund ist nach dem heutigen Wissensstand das erste Haustier des Menschen. Abstammend vom Wolf wurde er zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren domestiziert (Domestikation kommt von „domus“  =  Haus).

Die ältesten Funde, die von der Wissenschaft akzeptiert werden, stammen aus Mitteleuropa -zu nennen sind hier Bonn-Oberkassel, der Kesslerloch-Hölen und Champreveyres-Hauterive, die  alle um etwa 14.500 Jahre vor Heute datiert sind.karte

Man geht davon aus, dass die ersten Domestizierungen durch Zufall entstanden sein könnten. Die Menschen lebten während der Eiszeit in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler, die ohne feste Siedlungen auf  Nahrungssuche durch das Land zogen. Wölfe werden vermutlich ihren Weg gekreuzt oder sie im sicheren Abstand begleitet haben, um sich von ihren Resten zu ernähren. Auf diese Weise wird der erste Kontakt entstanden sein…

Die meisten Wildtiere sind  in menschlicher Obhut nicht auf Dauer zu halten, werden sie mit kommendem Alter doch meist zu Groß und zu Kräftig. Des Weiteren lässt ihr Sozialverhalten keine Unterordnung dem Menschen gegenüber zu.

Der Wolf stellt hier eine Ausnahme dar und ist durch seine Größe, Kraft und Sozialverhalten der perfekte Kandidat, um das Zusammenleben zu ermöglichen. Wölfe und Hunde sind in der Lage menschliche Emotionen und Gestiken zu deuten. Das Beispiel der Blindenhunde zeigt, wie weit die Kommunikation zwischen Mensch und Hund gehen kann.

Auch das der Wolf als Fleischfresser den Menschen ein Nahrungskonkurrent ist, scheint bei den Jägern und Sammlern offenbar keine große Rolle gespielt zu haben, da wahrscheinlich immer genug Fleisch bzw. Knochenreste übrig blieben, um die Nahrung der Tiere abzudecken. Das Raubtier selbst wurde auch nie im größerem Umfang als Nahrungslieferant gebraucht, was seine Erfolgsgeschichte, als des Menschen bester Freund, begünstigte.

So fielen die zahmen Wölfe, die möglicherweise schon als Welpen aufgenommen wurden, den Menschen nicht zur Last und wurden auch nicht erschlagen oder vertrieben, solange sie sich unterordneten.

Die gezähmten Tiere, die nah beim Menschen lebten, pflanzten sich untereinander fort, während die wilden Wölfe sich dem Menschen nicht nährten. So wurde wahrscheinlich eine unbeabsichtigte Zucht in Gang gesetzt.

Da die genetische Isolation von Wildtieren, die Grundvoraussetzung für die Wandlung zum Haustier ist, wurde beim Wolf allein durch die soziale Bindung zwischen Mensch und Tier erreicht, was bei allen anderen nachfolgenden Domestikationen nur durch Trennung von Bauwerken (wie Zäune, Stähle oder Mauern) geschehen konnte. Das erklärt, warum alle anderen Haus- und Nutztiere erst zur Zeit des Ackerbaus und daraus resultierendem Siedlungswesen domestiziert wurden.

Vor ca. 10.000 Jahren, als das Eis sich endlich zurückgezogen hatte, waren Hunde bereits über weite Teile der Nordhalbkugel verbreitet. Zu dieser Zeit wurde der Hund sicherlich schon als Begleiter, sei es als Wachhund, Jagd- oder Spielgefährte oder gar als Lastenträger geschätzt.

Eine Theorie besagt das der Hund erst dann für den Mensch fundamental nützlich wurde, als nach dem Ende der Eiszeit das Wild in der beginnenden Wiederbewaldung schwieriger auffindbar war. Wo vorher der Hund vorwiegend vom Menschen profitierte, konnte er nun bei der Jagd behilflich sein, indem er das Wild aufspürte.

Die älteste Abbildung eines Hundes befindet sich auf einer breiten Felswand in der Cueva Vieja in Spanien ca. 12.000 Jahre vor Heute. Hier scheint der Hund einem Hirsch den Fluchtweg abzuschneiden.

Die enge Bindung zwischen Mensch und Tier ist einzigartig, in Hinsicht darauf, dass jedes andere Tier, wenn es  nicht mehr rentabel war (z.B. keine Milch mehr gab), geschlachtet wurde (und nach wie vor wird), dem Hund aber bis heute ein ruhiger Lebensabend gewährt wird.

Unter zahlreichen Abbildungen des Hundes, die die Archäologie zutage gebracht hat, zeigt die Symbolik (je nach Zeit und Ort)  die Bedeutung des Hundes. Sein Status bewegt sich in der Geschichte zwischen dem eines Sklaven und dem eines Gottes.

So ist es auch nicht verwunderlich, das Hunde die ersten Tiere waren, die man in frau mit hundGräbern bestattete, meist zusammen mit Menschen, die möglicherweise ihre Besitzer waren. Der schon genannte Fund in Bonn-Oberkassel ist ein solches Beispiel, aber auch der 12.000 Jahre alte Fundplatz in Ain Mallaha in Israel, wo die flache Hand einer bestatten Frau auf einem Welpen liegt, als würde sie das Tier streicheln.

Spätestens die Römer haben vermutlich die Mechanismen der Zucht erkannt. Seit dieser Zeit entstand eine Vielzahl an Rassen, die sich nicht nur äußerlich, sondern auch durch den Charakter unterschieden. Solche „Spezialisten“ sind unter anderem als Hütehunde, Spürhunde, Jagdhunde oder gar als Kampf- und Kriegshunde verwendet worden.

Die Unterschiede sind zuweilen schon so groß, dass man den Wolf nicht mehr als den wilden Vorfahren seines Haustiers erkennt. Bei vielen der modernen Rassen hat die Zucht allerdings bewirkt, das sie in der Natur nicht mehr überlebensfähig sind, was jetzt auch zu einer physischen Abhängigkeit zu dem Menschen geführt hat, die ihrerseits eine so starke emotionale Bindung zu den Tieren aufgebaut haben, dass sie sie als Teil der Familie empfinden. Eine solche Bindung ist im Tierreich einzigartig!

Und die Anfänge dieser Beziehung liegen bereits 15.000 Jahre zurück und ein Ende ist nicht in Sicht. Ist das nicht Großartig!

Sven Elsner                                                                                                                      (Quelle: Archäologie in Deutschland 4/2012 Dr. Hannes Napierala)