1. Hilfe für den Hund

Unfälle passieren leider allzu schnell. Der Hund ist in diesem Fall auf Ihre
richtige Entscheidung und schnelle Hilfe angewiesen, denn davon hängt sein
Wohlbefinden und unter Umständen auch sein Leben ab.

Oberstes Gebot sollte für Sie sein: Ruhig und überlegt handeln, auch wenn Sie der Anblick der Verletzung im ersten Moment in Panik versetzt.

Mit einigen gezielten Maßnahmen können Sie weiteren Schaden oder
Komplikationen verhindern. Nach dieser Erstversorgung müssen Sie Ihren Hund
allerdingt umgehend zum Tierarzt bringen.

In dieser Kategorie finden Sie 1. Hilfe Maßnahmen zum Thema:

Normalwerte beim Hund :  Körpertemperatur – Fieber messen                                                                                         Puls – Puls fühlen                                                                                                                    Herzschlag fühlen                                                                                                                    Atemfrequenz – Atemfrequenz berechnen   

Rekapillarisationszeit:

Schnittverletzung an der Pfote

Pfotenverband anlegen

Bissverletzungen

Offene Hautwunden

Brüche – Anzeichen für einen Bruch

Anbringen einer Beinschiene 

 Maßnahmen bei einem Schock

Reanimation 

 

Was ist ein Notfall? Medizinisch gesehen sind Notfälle alles, was letztlich
lebensgefährlich ist oder was innerhalb kurzer Zeit medizinisch versorgt werden
muss. Dies ist für Sie natürlich nicht immer leicht einzuschätzen.
So sehen manchmal äußerliche Blutungen, zum Beispiel bei Schnittverletzungen, sehr
gefährlich aus, sind aber häufig kein ganz akuter Notfall. Lebensgefährlich sind sie nur, wenn die Blutung nicht zu stillen ist oder wenn der Hund einen Schock hat.

Normalwerte beim Hund

Körpertemperatur:    

                          38,6 – 39,4°C ( kleine Hunde – bis 15kg )
                                    
                         38,2 – 39,2°C ( mittelgroße Hunde – 15-45kg )
                                
                         37,5 – 39,2°C ( große Hunde – ab 45kg

Fieber messen – geben Sie auf das Fieberthermometer (am besten ein elektronisches) etwas Baby- oder Speiseöl oder Vaseline. Heben Sie den Schwanz des stehenden Hundes an, und schieben das Thermometer etwa zwei Zentimeter weit in den After.

Puls:   
                        90-160 Schläge/ Minute ( Kleine Hunde )
            
                        80-130 Schläge/ Minute ( mittelgroße Hunde )
        
                        70-100 Schläge/ Minute ( große Hunde )

Puls fühlen Sie am besten am auf der Seite liegenden Hund. Zum Messen legen Sie zwei Finger leicht auf die Mitte des inneren Oberschenkels an die dort verlaufende Arterie. Das Bein des Hundes sollte gebeugt liegen. Die Pulsfrequenz stimmt meist mit der Herzfrequenz überein.

Herzschlag fühlen – um das Herz zu tasten, liegt der Hund am besten auf seiner rechten Seite, mit der linken Seite nach oben. Legen Sie Ihre Hand leicht auf den Brustkorb hinter dem Ellenbogen. Dort können Sie den Herzschlag des Hundes gut
fühlen.

Atemfrequenz:            10-30 Atemzüge/ Minute im
                                    Ruhezustand ( alle Hunde )

Atemfrequenz berechnen – berechnet sich aus der Anzahl der Atemzüge pro Minute, wobei einmal ein- und ausatmen einem Atemzug des Hundes entspricht. Legen Sie die Hände leicht um oder auf den Brustkorb des Hundes und spüren Sie die Atemzüge.

Rekapillarisationszeit:  Dies ist der Zeitraum, in dem sich die Kapillaren ( kleinste Blutgefäße ) wieder mit Blut füllen. Die Schleimhaut über den Zähnen eines gesunden Hundes mit stabilem Kreislauf ist rosa.

1. Zur Begutachtung derselben lassen Sie das Maul des Hundes geschlossen und heben nur die Lefze am Oberkiefer an der Seite hoch.
2. Mit einem Finger drücken Sie nun kurz auf die Schleimhaut oberhalb  des Eckzahns oder der ersten Backenzähne. Sinnvoll ist das jedoch nur an nicht pigmentierter Schleimhaut, weil man sonst die Farbveränderung nicht erkennt.
3. Nach zwei bis drei Sekunden lassen Sie los und beobachten, wie lange es dauert, bis die jetzt hellere Schleimhaut wieder ihre ursprüngliche Farbe angenommen hat. Mehr als zwei Sekunden Dauer weisen auf Kreislaufprobleme oder Schock hin.

Schnittverletzung an der Pfote
Wenn der Hund stark blutet, müssen Sie einen Druckverband anlegen.                           Erst grobe Verschmutzungen und Fremdkörper aus der Wunde entfernen. Dann die Wunde mit einer Kompresse ( sauberes Stück Stoff oder Papiertaschentuch ) bedecken. Die Pfote mit einer Binde oder einem Stoffstreifen fest umwickeln – als erste Maßnahme, wenn Sie sich im Auslauf befinden.

Pfotenverband anlegen                                                                                                          1. Polstern Sie zunächst die Zehenzwischenräume ( Daumenkralle nicht vergessen! ) mit dünnen Polsterstreifen aus Watte oder synthetischem Material. Dann fixieren Sie das Ganze mit einer ringförmig gewickelten Polsterbinde.

2. Nach der Umwicklung der Pfote führen Sie die Polsterbinde bis kurz vor oder über das Sprunggelenk. (Es empfiehlt sich bis über dem Sprunggelenk zu wickeln, dadurch hält der Verband besser, auch wenn der Hund rennt.) Darüber wickeln Sie nun
eine elastische Binde ( selbsthaftende, luftdurchlässige, elastische Binde ) mit
leichtem Zug.

3. Danach kleben Sie sie mit Textilklebeband fest. Mehrere Lagen über einander quasi als Laufsohle, verhindern schnelle Abnutzung und Aufreibung, der zur schützenden Stelle.

Falls Ihr Hund gern an Verbänden nagt, können Sie Bitterstoffe auftragen, Ansonsten hilft nur ein Halskragen.
WICHTIG! Verbände müssen immer vor Nässe geschützt werden. Dazu gibt es wasserdichte Hundeschuhe, oder Sie ziehen mehrere Gefriertüten über den Verband.

Bissverletzungen
Nach einer Beisserei zwischen Hunden können starke Blutungen auftreten. Diese müssen immer gestoppt werden!
Als Erstes nehmen Sie ein sauberes Tuch oder eine Mullkompresse und drücken damit fest auf die blutende Stelle. Ist dies nicht zur Hand, nehmen Sie notfalls Ihren Finger. Nach etwa einer halben Minute prüfen Sie, ob die Blutung gestoppt ist. Wenn es weiterblutet, wiederholen Sie die Maßnahmen einige Male.

Danach legen Sie einen normalen Verband auf die Wunde. Stellt sich kein Erfolg ein, müssen Sie einen Druckverband anlegen.
Dieser darf aber nicht zu lange liegen bleiben, da sonst durch Unterbrechung der
Blutversorgung im dahinterliegenden Gewebe ein Sauerstoffmangel eintritt und das
Gewebe absterben kann.
Daher fahren Sie nach Anlage des Verbandes sofort zum Tierarzt!!!


Blutet die Wunde ( nur an Beinen und Schwanz! )
trotz Druckverband weiter, binden Sie das betroffene Glied mit einem Gürtel, Schal oder einer festen Binde straff ab.
Wichtig ist, dass die Blutung gestoppt wird. Dieses Abbinden darf nicht länger als 30 Minuten dauern.

Offene Hautwunden
Bei offenen Wunden müssen Sie zunächst die Blutung stillen. Dann kürzen Sie mit einer Schere die Haare um die Wunde herum. Zum Reinigen lassen Sie möglichst abgekochtes lauwarmes Wasser reichlich über die Wunde laufen. Nicht wischen und reiben, da Sie sonst den Schmutz noch tiefer in die Wunde drücken. Fest eingespießte Fremdkörper wie Holz oder Draht nicht herausziehen. Sie wissen nicht, wie tief sie in der Wunde stecken.
Schürfwunden oder oberflächliche Wunden behandeln Sie nach der Reinigung mit einem Wunddesinfektionsmittel. Auf tiefere Wunden legen Sie eine sterile Kompresse, verbinden Sie und fahren zu Ihrem Tierarzt.

Brüche                                                                                                                                 Blutungen müssen vorsichtig gestillt werden und Schwellungen sollten mit Eisbeutel oder Kühlakku gekühlt werden, jedoch nicht direkt auf die Wunde legen – Erfrierungsgefahr! Bei einem Bruch muß die Bewegung eingeschränkt und die Gliedmaße ruhiggestellt werden, danach sollte der Hund unverzüglich einem Tierarzt vorgestellt werden.

Anzeichen für einen Bruch:

– Der Hund wird unruhig, geht auf der betroffenen Gliedmaße lahm und kann sie nicht mehr richtig bewegen. 
– Veränderte Form des Knochens
– Die Gliedmaße schwillt an der Bruchstelle an
– Abnormale Beweglichkeit (z.B.: Bein baumelt) 
– Starke Schmerzen 
– Eventuell Blutungen

Anbringen einer Beinschiene 
Das Anbringen von Beinschienen bei Brüchen ist sehr kompliziert, da das Tier starke Schmerzen hat und durch unsachte Bewegungen die Verletzung verschlimmert werden kann!!!

1. Versuchen Sie das Bein mit Watte zu polstern.

2. Zur Schienung eignen sich alle leichten Materialien, wie Pappe, Zeitung, Äste… 

3. Die Durchblutung darf nicht behindert werden, Schiene und Polster dürfen nicht fest angebracht werden!!!

Zeigt der Hund starke Schmerzen, legen Sie ihm besser keine Schiene an, sondern betten die verletzte Gliedmaße auf einer weichen Unterlage (Kissen, Decken).

Maßnahmen bei einem Schock
Das Schockgeschehen ist zunächst eine Reaktion des Körpers nach einem Trauma, nach Schreck oder starken Flüssigkeitsverlusten ( Blutungen, Durchfall, Erbrechen ), um die Blutversorgung des Körpers zu regulieren.
Die Symptome hierfür sind:
Hund ist schwach und zittert eventuell
– Ohren und Pfoten sind kalt ( sowie Körperoberfläche )
– Puls ist schnell und / oder flach
– Schleimhäute von Augen und Maul sind blass oder bläulich
– Rekapillarisationszeit dauert länger als zwei Sekunden

Zeigt Ihr Hund mindestens eines dieser Symptome, geben Sie Ihm eine Dosis Arnica C30 auf die Maulschleimhaut und bringen ihn sofort zum Tierarzt. Wenn möglich, betten Sie beim Transport seine Beine höher als den Rest des Körpers, zum Beispiel auf eine untergelegte Decke.

Reanimation 

1. Atemwege freihalten

Bewusstlose Hunde können an Erbrochenem, aber auch an anderen Hindernissen ersticken.

Öffnen Sie das Maul des Hundes weit, ziehen Sie die Zunge hervor, und überprüfen Sie, ob sich Erbrochenes, geronnenes Blut oder Schleim darin befindet, falls ja, entfernen Sie alles (bis zum Zungengrund / Schlund) mit der Hand.

2. Beatmung bei Atemstillstand

Aktive künstliche Beatmung:
Hierbei bläst man wie bei der künstlichen Beatmung des Menschen Luft in (Maul und) die Nase des Hundes.

Umschließen Sie mit beiden Händen das gesamte Maul des Hundes, damit beim Einblasen keine Luft aus dem Lefzenbereich entweicht.
Der Hals des Hundes wird hierbei gestreckt.

Es wird nur so lange und mit so viel Druck eingeblasen, dass sich der Brustkorb hebt. Der Hund entlässt die eingeblasene Luft passiv von selbst.

Man wiederholt diesen Vorgang so lange, bis der Hund von selbst wieder atmet, in einer Frequenz von einem Atemzug alle 2 bis 3 Sekunden.

Passive künstliche Beatmung
Die Luft wird passiv vom Hund eingesogen , da der Brustkorb vorher komprimiert wurde. Je nach Größe des Hundes wird mit einer oder mit beiden Händen stoßartig auf den Brustkorb (da, wo die Rippen zu fühlen sind) des Hundes in Seitenlage gedrückt. Die Luft entweicht aus den Atemwegen.

 Beim Loslassen weitet sich der Brustkorb wieder und Luft wird passiv in die Atemwege eingesogen.

Diese Technik bietet sich vor allem für sehr kleine Hunde an, da hier die Mund-zu-Maul / Nase-Beatmung oft technisch schwierig ist. Man kann aber auch aktive und passive Beatmung miteinander kombinieren.

Die Frequenz für diesen Vorgang ist wiederum einmal pro 2 bis 3 Sekunden.

Reanimation bei Herzstillstand

Präcordiale Faustschlag
Durch einen Faustschlag auf die linke Brustkorbseite oberhalb des Ellenbogens im Bereich der zweiten Rippe soll das Erregungszentrum des Herzens von außen „reaktiviert“ werden. Der Schlag sollte der Größe des Hundes angepasst, aber dennoch kräftig sein. Man kann dabei sogar unabsichtlich eine Rippe brechen, aber in diesem Augenblick hat zunächst die Herzfunktion absolute Priorität.

Der Präcordiale Faustschlag ist nur wirksam in der ersten Minute nach dem Herzsstillstand!!!

Herzmassage
Diese schließt sich einem präcordialen Faustschlag unmittelbar an, falls das Herz immer noch nicht schlagen sollte. Das Prinzip ist immer dasselbe: Stoßartiger Druck auf das Herz von außen mit anschließender Entlastung in einer Frequenz von etwas mehr als einmal pro Sekunde.

Die Kraft muss der Größe des Hundes angepasst sein.

Das Herzfeld befindet sich auf der linken Brustkorbseite, über einer gedachten Waagerechten vom Ellenbogen aus zwischen 3. und 6. Zwischenrippenraum

Herzmassage der Hundegrösse anpassen:

Sehr kleine Hunde (z.B. Yorkshire-Terrier):
Druck durch den Daumen, Hund in Rückenlage, die linke Hand umfasst den Brustkorb.

Kleine Hunde (z.B. Beagle):
Druck durch die Handfläche einer Hand, Kraft aus dem Oberkörper, Hund liegt auf der rechten Seite.

Große Hunde (z.B. Schäferhund):
Druck durch beide aufeinandergelegte Hände (wie beim Menschen), Kraft aus dem Oberkörper, Hund liegt auf der rechten Seite.

 

TIPP – Notfall – Telefonnummern:
Am besten speichern Sie sich folgende Nummern
in Ihr Telefon oder Handy ein:
– Tierarztpraxis Ihres Vertrauens
Ersatzpraxis
– Tierklinik in erreichbarer Nähe
– Polizei 110, Feuerwehr 112
– Tiernotruf/ – rettung
– Taxigesellschaft, die Tiere transportieren
– Tierheim

TIPP – Notfallapotheke für unterwegs
Am besten tragen Sie folgendes mit sich:

– 1 Mullbinde, 2 Mullkompressen
– 1 elastische Binde ( wenn möglich selbsthaftend )
– kleine Schere, Pinzette
– Leukoplast, Heftpflaster ( eventuell mit Silberauflage )
– 1 Spritze a 2ml oder 5ml ( kann zum Abspülen, Eingeben von
Medikamenten oder als Knebel beim Abbinden bzw. als Druckpolster für
Druckverbände benutzt werden )
– Arnica C30
– Traubenzucker
– Rescue Tropfen ( Erste – Hilfe – Tropfen )
– Desinfektionsmittel für Hund und Mensch
– Hundeschuh oder alte saubere Socke
– Handschuhe
– eventuell Maulkorb

Zusätzlich vor einem Notfall macht es durchaus Sinn, einmal einen Erste – Hilfe – Kurs für Hunde zu besuchen. Diese werden zum Beispiel von Tierärzten, Hundeschulen oder
Volkshochschulen angeboten.

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ERSTE HILFE BEIM HUND 
mit 50 Notfall-Checklisten und Anleitungen zum Ausdrucken finden Sie hier:

http://www.erste-hilfe-beim-hund.de